Fliegenfischen auf Meerforelle auf den Färöer Inseln

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Artikel erschienen im Fliegenfischer Magazin "Der Fliegenfischer"

„Eg oyggjar veit, sum hava fjoll og grona lid ...“
„Von fernen Inseln weiß ich, mit Bergen und grünen Klippen ...“


mit diesen Worten besingt die färingische Nationalhymne das Land, das mich in seinen Bann gezogen hat. Das dritte Jahr in Folge habe ich nun die lange Reise in den Nordatlantik angetreten, dieses Mal mit der berechtigten Intention, einem geradezu unerschöpflichen Vorkommen an Meerforellen zu begegnen.

Schon bei meinem ersten Besuch auf diesen Inseln wurden mir beim Lachsfischen kostbare Momente beschert und so schien es obligatorisch, mich im folgenden Jahr den Bachforellen in den klaren Bergseen zu widmen, um auch über diese wunderbare Fischerei berichten zu können. Der dritte Teil ist nun den färingischen Meerforellen gewidmet.

In meinem Fischerhäuschen auf einer kleinen Insel im Westen Irlands habe ich oft den wehmütigen Erinnerungen irischer Fischer zugehört, die den Verlust jener geradezu paradiesischen Meerforellenbestände beklagten, die es noch in den 1970er Jahren an vielen Küstenstrichen der Grünen Insel gab.

„In early summer you could see them at sea. The whole water was silver of their backs!“ Im Frühsommer war damals das Meer noch silbern von Meerforellen-Rücken ...
Solcher Reichtum ist auch in anderen europäischen Küstenregionen leider längst Geschichte. Aber auf den Färöern sollte es diese geradezu urzeitlichen Verhältnisse noch geben! Und mit dieser Zusicherung machte ich mich auf meine dritte Färöer-Reise.
An meinem Ankunftsabend war ich jedoch noch nicht bereit, den nächstgelegenen Fjord abzufischen. Er galt dem Wiedersehen mit meinen färingischen Freunden aus den Vorjahren bei einem Glas Bier im Pub. Beim Beziehen des angemieteten Sommerhauses tauchte dann mein Reisegefährte Gerald auf und erzählte mir mit einem verklärten Strahlen im Gesicht:

„Mauritia, das hättest du sehen sollen! War heute noch bei Kaldbaksbotnur, um nach den Meerforellen zu schauen, und es war dort wie an meinem Forellenteich! Überall hat es geplatscht! Glaubt mir keiner, der so etwas noch nicht erlebt hat!“

Und währenddessen saß ich im Pub ... um nicht erneut einsehen zu müssen, daß mir auf den Färöern Wichtigeres entgehen kann als die „Färoya Bjór“ und Erzählunegen über Schicksale von auf See verschollenen Männern, galt meine Aufmerksamkeit nun für die nächsten zwei Wochen (nahezu) ungeteilt den Meerforellen dieses einzigartigen Archipels im Nordatlantik.

Es gibt auf den Färöern zahllose Stellen, an denen man aussichtsreich auf Meerforellen fischt. Dennoch sind wegen Ihrer Fischdichte und ihrer landschaftlichen Schönheit einige Bereiche besonders hervorzuheben, vor allem Gestade der größeren Inseln: von Streymoy, der Hauptinsel, von Eysturoy, gleich im Westen gelegen, von der „Sonneninsel“ Sandoy und von Suduroy, der südlichsten und abgelegensten Insel.

Auf Streymoy

Die Hauptinsel Streymoy hat mit der Hauptstadt Torshavn nicht nur Annehmlichkeiten in Sachen Kultur, Übernachtungs-, Einkaufsmöglichkeiten und abendlicher Unterhaltung zu bieten, sondern auch drei besonders lohnende Buchten zum Angeln auf Meerforellen.

Kaldbaksbotnur ist eine Bucht in der unmittelbaren Nähe von Torshavn. Zwar liegt sie an dem tagsüber stark befahrenen Zubringer der Hauptstadt, doch der Verkehr auf diesem „Highway“ scheint all die Meerforellen nicht zu stören, die hier dem Wasser eine besondere Couleur verleihen. Ich habe dort während meines dreiwöchigen Aufenthaltes täglich zu allen Tageszeiten Meerforellen springen sehen, sogar unmittelbar am Ufer.
Hier werden die meisten Fische gelandet und dies war auch der Platz, an dem Gerald an unserem Ankunftstag das beschriebene Meerforellen Festival erlebt hatte. Die Forellen sind zwar, wie überall auf den Färöer, meist von kleinerer Größe, doch in ausnehmend großer Zahl anzutreffen. Am besten läßt sich die Bucht bei Rückenwind, also bei Wind aus dem Norden befischen.

Leynar. Dieser Strand zeichnet sich vor allem durch seine großen Fische aus. Sie ziehen hier vor ihrem Laichaufstieg in den Zubringerfluß durch das Meer und diesen verbindet eine Fischtreppe mit einem der beiden legendären färingischen Lachsgewässer. Allerdings ist dieser Abschnitt vom 15.Juni bis 1.Oktober wegen Lachsaufstieges gesperrt.
Dort wurde 2005 auch eine 18 pfündige(!) Meerforelle beim Aufstieg gefangen, allerdings auf recht unrühmliche Weise.

Saksun. Der kleine, uralte Weiler Saksun mit seinen Gehöften aus dem Mittelalter zählt zweifelsohne zu den sehenswertesten Flecken auf den Inseln und ist unbedingt einen Besuch wert. Es ranken sich viele Sagen und wahre Tragödien um diesen, der Welt entrückten Ort. Die Rede ist von Bauern, die in den Bergen zu Tode gestürzt sind, es heißt, von jedem Gehöft ein Mann in jeder Generation. Auch Angler sollen hier gelebt haben, die nicht mehr vom Fischen zurückkehrten.
Erst seit einer gewaltigen Sturmflut im 17. Jahrhundert ist die Bucht bewatbar. Aus dem Meer wurden damals jene Sandmassen eingespült, die es bis heute bei Ebbe erlauben, in etwa 20 Minuten durch den Fjord bis hinaus ans offene Meer zu gehen.
Hüten Sie sich jedoch davor, die Zeichen der herannahenden Flut zu übersehen! Nur wer erfahren genug ist, die manchmal unberechenbaren Naturgewalten einzuschätzen, und stark genug, ihnen zu trotzen, sammelt hier spektakuläre Eindrücke, die ihn ein Leben lang beglücken werden. Und gute Fliegenfischer kehren aus solch heftigen Abenteuern „am Busen der Natur“ sicher nicht beutelos in ihre Quartiere zurück!

Auf Eysturoy

Auf dieser zweiten großen Insel der Färöer verspricht insbesondere ein Strand aussichtsreiches Meerforellenfischen:
Der bei Skalabotnur.
Dies ist eine ergiebige Bucht an der Verbindungsstraße von der Insel Streymoy nach Leirvik. Fische sind in großer Zahl gut auszumachen, doch man begegnet nur wenigen Anglern. Parken Sie an der Straße und gehen Sie durch das flache Flußbett zum Sandstrand hinunter.

Auf Sandoy

Die Sonneninsel ist meine Lieblingsinsel und in einer 20-minütigen Überfahrt mit der Fähre erreichbar. In unmittelbarer Nähe, nur wenige Kilometer entfernt, finden sich hier drei der schönsten Seen mit sagenhaften, natürlichen Beständen an Bachforellen.
Schockierend für mich zu beobachten, daß die Angler dort mit allen Mitteln fischen und ohne jegliche Hemmung eine Bachforelle nach der an deren an Land ziehen. Solche Beobachtungen brachten mich dieses Jahr nun definitiv soweit, daß ich mich bei der färingischen Handelsbehörde für eine Einschränkung der Angelmethoden und eine Begrenzung der Fangquoten an diesen Seen eingesetzt habe.
Der größte dieser Seen auf Sandoy, das Sandsvatn, hat Verbindung zum Meer, lockt im Herbst mit seinem Lachsvorkommen und bietet sich auch zum Meerforellen Fischen an. Die vorgelagerte Bucht Sandsvagur beherbergt wohl die prachtvollsten Meerforellen der Färöer und bietet eine Besonderheit: Mit etwas Glück und bei guter Sicht kann man dort Dutzende Fische im Gegenlicht durch die Wellenkämme ziehen sehen.

Auf Suduroy

Die südlichste der färingischen Inseln. Kaum ein Angler macht sich die Mühe oder nimmt sich die Zeit für die zweistündige Überfahrt mit der modernen Fähre Smyril. Doch für mich war Suduroy auch eine wunderschöne Reise in die Vergangenheit der Färöer; denn ich hatte schon vieles über diese sagenumwobene Insel gelesen.
Sarazenen landeten dort im 17. Jahrhundert und verschleppten 30 Menschen. Bei einem zweiten Raubzug zerschellte ihr Schiff jedoch an den Klippen und damals waren etliche Invasoren in „Türkengräbern“ zu bestatten. Andere hinterließen freilich auch Nachkommen mit schwarzem Haar und braunen Augen unter den hellhäutigen Inselbewohnern mit zumeist blauen Augen.
Interessant auch die Geschichten von jenen unerschrockenen Färöer-Insulanern, die noch bis ins 19. Jh. ihre Füße mit Lammfell umwickelten und lange Zöpfe trugen, wie ihre Wikinger-Vorfahren ...
Ich war noch nicht lange auf der Insel, als ich schon überall von freundlichen Menschen gegrüßt wurde, ob an der Tankstelle oder im Supermarkt. Sie hätten schon von mir gehört, von einer Frau, die angele und begeistert über ihre Inseln berichte. Und diese Gespräche endeten immer mit einem „Welcome to the Fareo Islands!“
Auf Suduroy gibt es viele Stellen zum Meerforellenfischen, die jeweils ideale läßt sich jedoch unschwer lokalisieren: Man braucht nur darauf zu achten, aus welcher Richtung der Wind weht. Und immer war ich in diesen Tagen alleine am Wasser, nie bin ich einem anderen Angler begegnet.
Grundsätzlich empfehlen kann ich die Buchten bei Sandvik, Nes, Oravik und Famjin. In Oravik sah ich z.B. bei meiner Ankunft viele Meerforellen springen. Daraufhin wartete ich jedoch bis zum Fluthöhepunkt gegen Mitternacht. Nun kamen die Fische in Schwärmen bis auf einen Meter ans Ufer. Man konnte ihre Beutegier förmlich spüren, als sie in der ganzen Bucht um mich herum kleine Köhler jagten.
Es waren Schwärme von 50 bis 60 Forellen in allen Größen. Man brauchte nur die raubenden Fische vorsichtig anzuwerfen und hatte nahezu bei jedem Wurf Kontakt. Doch so plötzlich wie diese Superaktivität der Fische begonnen hatte, so abrupt endete auch nach ca. drei Stunden ihr Interesse für meine Fliegenmuster.

Fazit

Rückblickend auf meine Angelerfahrungen auf den Färöern erscheint mir heute dort das Fliegenfischen auf Lachs als eine zeitlich begrenzte, mit färingischen Freunden gesellige Angelei in herzlicher und begeisterter Atmosphäre. Meine große Liebe gilt jedoch nach wie vor dem Fischen auf Bachforellen an den unberührten und schützenswerten Bergseen in der atemberaubend einsamen Natur der Färöer.
Doch auch ihre Meerforellen können faszinieren. Man hat die Fjorde und Strände ganzer Landstriche für sich allein und ficht dort herrliche Kämpfe gegen Wellen und Wind. Und für so manchen von uns ist es sicher spannender, im Reichtum der Färöer-Küsten an silberglänzenden Salmo trutta trutta die wirklich große Meerforellen an die Fliege zu locken, als alle Lachsfischerei.

Zum Schluß möchte ich den färingischen Lyriker William Heinesen zitieren. Seine Worte können mein Fazit aus meinen Fischerreisen in den vergangenen drei Saisonen auf die Färöer sein:

„Wie ich schon oft, vielleicht aber nicht überzeugend genug erklärt habe – denn es scheint noch immer Menschen zu geben, die meinen Worten nicht so recht glauben: Der absolute Mittelpunkt der Welt liegt auf den Färöern!“

Ausrüstung

Für die Pirsch auf färingische Meerforellen reicht Gerät der Klassen 7 bis 8 völlig aus. Allerdings sollte die Rute mindestens 10, besser 11 Fuß lang sein. Hervorragende Dienste haben mir ferner ein Intermediate Schußkopf und Vorfächer von mindestens doppelter Rutenlänge geleistet.
Je nach Windstärke und am liebsten fischte ich klassische Muster in Größe 8 bis 12. Am fängigsten waren Silver Bodies mit spärlicher Behechelung.
Unabdingbare Zusatzausrüstung: brusthohe Wathose und Stirnlampe für die Nachtfischerei.

Beste Zeiten

Meerforellen sind an den Küsten der Färöer Inseln ständig präsent. Erst gegen Herbst versammeln sie sich in den Flußmündungen, um in den Wintermonaten in Fließwasser aufzusteigen und zu laichen.
Häufig erschweren nun Stürme, die rauhe See und die dunklen Tage das Waten bis ins Frühjahr hinein. Eine weitaus angenehmere Fischerei auf Meerforellen hat man auf den Färöern in den Sommermonaten Mai bis Juli und noch bis in den August hinein, in den langen und hellen Nächten von ca. 21 bis 3 h.
Die Lufttemperatur scheint keinen Einfluß auf das Beißverhalten zu haben. Im Durchschnitt angelt man auf den Färöern von Mai bis September bei Temperaturen um 10/11°C erfolgreich. Doch binnen weniger Stunden können auch Temperaturwechsel von 6 bis 18°C Lufttemperatur auftreten.

Tips

Eigentlich an allen Küsten der Färöer zu finden, bevorzugt die färingische Meerforelle Buchten und Strände mit sandigem Untergrund und möglichst starkem Süßwassereinlauf. Dort finden Sie die Meerforelle in Gesellschaft ihrer Futterfische Köhler und Sandaal und als Begleitfisch unzähliger Plattfische.
Gerne hält sie sich wegen des Nahrungsangebotes in der Nähe der Lachsfarmen auf. Einen Versuch wert sind auch die Ausläufe der Stauseen (z.B. des Eidi- und des Vestmanna-Reservoirs) und nicht zuletzt die Binnenseen mit Verbindung zum Meer, wie die Seen auf Sandoy und Streymoy.
Ab Ende August fängt man auch in den bekannten Lachsgewässern Meerforellen in guten Größen. Seltsam, daß gerade dann der Wert dieses eleganten, wunderschönen Fisches so niedrig eingestuft wird ...
Obwohl die Meerforellen auch bei Ebbe anzutreffen sind, ist das Fischen bei Flut wesentlich abwechslungsreicher und reizvoller. Dann ziehen die Meerforellen in Ufernähe und auch in die Flußläufe hinein. Da deren Oberläufe schnell trockenfallen und dann nicht mehr anschwimmbar sind, konzentrieren sie sich in den Mündungsgebieten im Küstenbereich.
Die Färöer Inselnund ihre Insel Suduroy im besonderen bieten eine Vielzahl an Buchten, die sich in verschiedene Himmelsrichtungen hin öffnen. Vor jeder Tagestour lohnt daher ein Blick auf die Landkarte, die die gerade aktuelle, beste Windrichtung seitlicher oder Rückenwind ausweist.