Färöer Inseln: Alles über das unentdeckte Paradies

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Artikel erschienen im Magazin "Fliegenfischen“ Spezial

DAS UNENTDECKTE PARADIES

„Ich hoffe, es stört Sie nicht, wenn Sie keine anderen Angler treffen …“
das Panorama ist auf den Färöer Inseln ebenso traumhaft wie die Aussicht, eine traumhafte Fischerei zu erleben!

Als welterfahrener Fliegenfischer sucht man ab und zu nach neuen Ufern. Man muss gar nicht weit in die Ferne schweifen, um ein bisher vom Massentourismus unentdecktes Juwel zu entdecken: die Färöer Inseln!

Wilde Bachforellen in guten Größen, dazu Meerforellen, Lachse und ab und zu ein Saibling - fünf der 18 Färöer-Inseln sind ein Paradies für Fliegenfischer.

“Färöer? Ja, habe ich schon von gehört. Fußball, Walfang. Und, die Inseln gehören doch zu Dänemark. Oder nicht?” Aber da stoßen die meisten schon an die Grenzen des Allgemeinwissens.

Nun, die Färöer Inseln bestehen aus einer Gruppe von 18 Inseln, die auf dem 62. Breitengrad zwischen Island und Schottland liegen. Sie sind autonom und stehen lediglich unter dem Protektorat Dänemarks. Die rund 48.000 Färinger wählen ihre eigene Regierung, sprechen ihre eigene Sprache, eine Weiterentwicklung der Sprache der Wikinger, und drucken ihre eigene Währung. Nur die Münzen kommen aus Dänemark. Die Färinger haben eine vollkommen eigene Identität, sie sind ein Volk, das unmittelbar mit dem Meer und dessen Ressourcen verflochten ist: auch heute noch kommt das Bruttoinlandsprodukt zu 97 Prozent von Fisch!

Das erstaunt, denn die Färöer Inseln sind als “Schafinseln” bekannt. Ein treffender Name wäre eher “Fischinseln”.

Schafinseln deshalb, weil man überall auf freilaufende Schafe trifft. Sogar in den Städten und Dörfern, auf den mit Gras bedeckten Hausdächern und, wenn man nicht aufpasst, am eigenen Blumentopf…

Die Färöer, der Fisch und die Freiheit

Die Besiedlung der Inseln hing von Anbeginn an unmittelbar von den Gaben des Meeres ab, zum großen Teil auch von Grindwalfang. Während Schaffleisch nur selten auf den Tisch kam, stand Fisch fünfmal die Woche auf dem Speiseplan. Und auch heute noch zu Zeiten von Burger und Supermarkt-Ketten sieht man überall an den Häusern in alter Tradition Fisch und Walfleisch zum Trocknen aufgehängt, wie bei uns die Wäsche an der Leine.

Wir als Fliegenfischer und Angler profitieren von den geographischen und kulturellen Gegebenheiten der “Fischinseln” in vielerlei Hinsicht. Als Angler sind Sie auf den Färöer ein gern gesehener Gast! Man ist stolz darauf, wenn sich Touristen für die Fischerei interessieren und sogar deswegen ins Land reisen. Man gibt Tipps und Stellungshilfen und würde nie auf den Gedanken kommen, Gästen das “Kulturgut Fisch” zu verweigern.

Sie brauchen auf den Färöer keine Angelkarte kaufen und im allgemeinen keine Schonzeiten zu beachten! Lediglich für zwei große Seen, in denen ab Juli die ersten Lachse eintreffen, müssen Sie eine Tages-, Wochen- oder Jahreskarte lösen. Es ist wirklich unglaublich, wie tolerant der Färinger uns gegenüber ist! Damit dies so bleibt, sollte sich wirklich jeder Besucher so verantwortungsbewusst verhalten, dass dieses Privileg nicht in Frage gestellt wird.

Dieses Inselarchipel ist ein Paradies

Noch “verirren” sich nur wenige Sportangler auf die Färöer Inseln, meist sind es vereinzelt Dänen, die etwas mehr Einblick in die Wunder der Inseln gewonnen haben.

Die Färöer Inseln sind kein Land für “Fleischangler”. Sie sind ein Land der tief bewegenden Erlebnisse zwischen den Menschen auf der einen Seite und der Natur auf der anderen Seite.

Stellen Sie sich nun vor Ihrem geistigen Auge 18 von grünem Gras überzogene Inseln vor, alle paar hundert Meter majestätische Wasserfälle, die sich ins Meer ergießen, unzählige kristallklare Bergseen in allen möglichen Größen, in den sandigen Meeresbuchten Meerforellen, die in Gruppen von hunderten von Fischen nach Beute jagen, wilde Bachforellen, die an warmen Tagen aus den Krautarealen unter Wasser kommen und am Ufer hingebungsvoll und ohne Scheu Fliegen einschlürfen. Das Meer, das von keinem Punk an Land weiter als 5 Kilometer entfernt ist, dicht bepackt mit Kabeljau, Heilbutt, Heringshai und Plattfischen in rekordverdächtigen Größen, dazwischen ankommende Atlantische Lachse, die auf ihren Aufstieg waren… Das sind die Färöer!

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings. Auf den Färöer fischt man nicht in Flüssen. Aufgrund der geographischen Beschaffenheit der Färöer fällt das Land meist in einer mehr oder weniger starken Neigung direkt bis ins Meer. Es gibt kaum weite, ebene Landstriche und folglich fließt der Niederschlag sehr schnell ins Meer ab. Flussbetten oder Bäche schwellen für ein paar Stunden an und werden genauso schnell auch wieder steinige und sehr flache Rinnsale.

Allerdings weiß der smarte Fliegenfischer diesen Umstand geschickt zu nutzen und hält sich bei starken Regenfällen in den Mündungen des Süßwassers auf, die ins Meer führen. Und auch frische, kampfstarke und der Fliege aufgeschlossene Lachse können so zeitgleich nach dem Aufstieg befischt werden…

Die besten Inseln für Fliegenfischer:

Von den 18 Inseln der Färöer sollten Sie sich als Fliegenfischer ausschließlich auf diese fünf konzentrieren:

1. Streymoy - Die Vielseitige

Auf ihr spielt sich das Hauptgeschäft ab. Hier wohnen die meisten Färinger, hier liegt die Hauptstadt Tórshavn und wahrscheinlich wird hier auch am meisten gefischt.

Streymoy offenbart unendliche viele Möglichkeiten zum Hochseeangeln, Angeln an spektakulären Bergseen und in den beiden Lachsseen Leynavatn und Saksunarvatn. 2013 wurden hier ein Lachs von 14 kg und eine Meerforelle von über 14 Pfund gefangen. Nur an diesen beiden Seen treffen Sie auch auf andere Angler. Der hiesige Angelsportverein zählt um die 300 Mitglieder und die beiden Lachsseen sind des färingischen Anglers liebstes Kind. Es ist eine wirklich schöne Erfahrung in geselliger Runde hier Salmo salar nachzujagen - humorvolle Gespräche inklusive. Und Sie werden überrascht sein, welch gute Fliegenfischer dieses Land hervorgebracht hat! Leider haben die Jahre 2012 und 2013 starke Einbrüche an Fangzahlen zu verzeichnen gehabt. Man bringt dies in Zusammenhang mit der Verschiebung der Makrelenschwärme in den Norden und damit verbundene kommerzielle Fischerei, denn nicht allzu wenige der wilden Lachse sollen dabei als Beifang in den Netzen der Flotten zwischen Island und Norwegen landen. Inzwischen hat man herausgefunden, dass Lachse, die sich in den Wintermonaten um Grönland aufhalten, weniger dezimiert zurückkehren. Nun will man auf den Färöer in den nächsten Jahren bei der Aufzucht dieses Wissen nutzen und ist überzeugt, dass sich die Bestände erholen werden.

In allen Meeresbuchten mit Sandböden oder Sandstränden können Sie auf den Färöer ganz hervorragend auf Meerforelle fischen. Versuchen Sie es auf Streymoy in Kaldbaksbotnur, Leynar oder dem landschaftlich spektakulären Saksun. Wählen Sie idealerweise eine Stelle, an der der Wind ablandig weht - die Inseln machen es Ihnen hier nicht schwer. Dazu vielleicht noch etwas Regen, die Zuläufe voller Wasser eine Tangläufer-Imitation am Vorfach und schon haben Sie bei jedem geschickten Wurf Kontakt mit einer Meerforelle! Und wenn Sie das Gefühl haben, von den Eindrücken der gewaltigen Landschaft auf Ihren Bergtouren an verwunschenen Seen oder von der Freude über die kapitalen Lachse “erschlagen” zu werden, so dürfen Sie Ihre Haken wetzen und Köderfische aufmontieren:
Auf geht’s zur Großfischjagt!
Ab dem Ort Vestmanna fährt der Skipper Magni Blastein mit seiner “Blástein” hinaus auf den Sund, wo der Mann noch zeigen kann, was er drauf hat. Denn so ein 100-Kilo-Heringshai ist nicht mal eben so ins Boot zu leiern…


2. Eysturoy - Die Majestätische

Majestätisch deshalb, weil man meint sie sei nur von gewaltigen Bergen überzogen. Und es ist auch tatsächlich so. Dazwischen, man ahnt es schon: kristallklare Loughs mit natürlichen Beständen an wilden Bachforellen. Will man ihnen nachstellen, sollte man schon ein bisschen Gespür für den richtigen Zeitpunkt mitbringen. Die Temperaturen sollten nicht unter 11 Grad liegen und das geübte Auge darf ruhig erst einmal innehalten und das Wasser auf Aktivität beobachten.

Gerne wird von den Färöer Bachforellen eine Bibio angenommen und dies oft unmittelbar beim ersten Wurf. Also seien sie konzentriert und verhalten bei Ihrer Pirsch. Der große Eiđi Stausee war einst ein romantisch gelegener Bergsee. Im Rahmen der Wasserkraft-Gewinnung, über die die Färöer mittlerweile 35 Prozent des Energiebedarfs decken, hat man den See angestaut. In ihm tummeln sich nun richtig große Bachforellen mit einer Durchschnittsgröße von 40 cm. Aber es ist nicht immer so, dass nur die großen Seen die großen Fische beherbergen. Vielmehr ist es so, dass eher die schwer zugänglichen Seen die Kapitalen beherbergen. So fischte ein ortskundiger Färinger aus einem ganz kleinen See hoch oben in den Bergen eine 75 cm lange und 4 kg schwere Bachforelle heraus. Nachmachen lohnt sich.

3. Vágar - Die Unscheinbare

Eigentlich ist sie gar nicht unscheinbar, aber man ist schon versucht, sie nur als Durchgangsstation auf dem Weg vom Flughafen Richtung Tórshavn, der Hauptstadt, zu durchqueren. Allerdings befinden sich auf Vágar die beiden größten Seen der Färöer. Der Leitisvatn und der Fjallavatn. An beiden kann man sehr gut auf Bachforelle fischen, am Leitisvatn sogar vom Boot aus, was auf den Färöer eine absolute Ausnahme ist.

4. Sandoy - Die Liebliche

Diese, wie auch die südlichste Insel Suđuroy, ist nur per Fähre zu erreichen. Die anderen drei Inseln sind bequemt über eine Brücke oder unterirdische Tunnel miteinander verbunden. Sandoy ist flacher als die anderen Inseln und unbedingt einen Besucht wert. Räumen Sie ihr einen ganzen Tag ein und er wird Ihnen kaum genügen. Mitten auf Sandoy liegt der relativ flache Sandsvatn. Er ist im Schnitt nur 5 Meter tief. Doch da er als einer der wenigen Seen auf den Färöer über eine direkte flache Verbindung zum Meer verfügt (die meisten Seen ergießen sich über Wasserfälle zur Küste hin) haben Sie das große Vergnügen, in ihm auf Lachs, Meer- und Bachforelle zu treffen - und das alles, ohne eine Karte kaufen zu müssen. Mehr noch: An seinem Abfluss ins Meer liegt der legendäre Strand von Sand mit seinen rekordverdächtigten Meerforellen und Brandungsangeln vom Feinsten. Sie dürfen nur nicht empfindlich gegenüber akuter Einsamkeit sein, denn meist werden Sie dort alleine fischen. Haben Sie noch etwas Zeit, so suchen Sie noch die beiden Seen Stóravatn und Litlavatn mit ihren prächtigen Bachforellen und dem Versprechen auf Wiedersehen auf!

5. Suđuroy - Die Wilde

Auf den Färöer sagt man, dass eine Beerdigung auf Suđuroy im Süden fröhlicher gefeiert wird, als eine Hochzeit auf der Insel Borđoy im Norden. Und tatsächlich ticken die Uhren etwas anders auf Suđuroy. Die Menschen sind etwas dunkelhaariger - ob das von den Sarazen-Überfällen kommt? Und noch bis ins 19. Jahrhundert hielten die Männer die Tradition fest, sich wie ihre Vorfahren, die Wikinger, zu kleiden. Mit geflochtenen Zöpfen und Leder umwickelten Füßen. Suđuroy ist in den Köpfen der färingischen Angler in erster Linie die Insel zum Fischen auf Meerforellen. Es gibt auf ihr mehrere Buchten mit Sandstränden und perfekten Bedingungen für die Jagt auf die silbernen Schätze. Wenn Sie dazu noch in der Lage sind, den hoch oben gelegenen Vatndalsvatn zu besuchen, wird dies für Sie mit großer Wahrscheinlichkeit ein Angeltrip, dessen Bilder Sie Ihr Leben lang nicht vergessen - im besten Sinne.
Eine Angeltour nach Suđuroy ist an einem Tag nicht umzusetzen. Dafür sollte man mindestens drei Tage einplanen. Sie werden es nicht bereuen!